Vermutlich bereits mit Torhüter-Neuzugang Olivier Roy im Aufgebot stehen für Eishockey-Zweitligist Eisbären Regensburg die nächsten beiden richtungsweisenden Duelle in der DEL 2 auf dem Programm. Am heutigen Freitag, 31. Januar, empfangen die Oberpfälzer ab 20 Uhr die Topmannschaft der Ravensburg Towerstars (5. Rang/68 Punkte) in der Donau-Arena, am Sonntag, 2. Februar, folgt dann ab 18:30 Uhr die Auswärtsaufgabe beim direkten Konkurrenten EC Bad Nauheim (12./50). Ob der 33-jährige kanadische Goalie schon gegen die Schwaben für den Tabellenelften (52 Zähler) zwischen den Pfosten stehen können wird, entscheidet sich ob seiner Anreise kurzfristig – spätestens bei den Hessen im Colonel-Knight-Stadion soll Roy dann aber zum Lineup zählen.
Schon seit dem Aufstieg der Domstädter stehen die Kräftemessen der Eisbären mit den Towerstars für turbulente und torreiche Spektakel – da machten auch die drei bisherigen Aufeinandertreffen beider Teams in der laufenden Spielzeit keine Ausnahme. Schon Ende September unterlagen die Oberpfälzer nach 2:0-Führung unglücklich mit 2:3 nach Penaltyschießen bei den Baden-Württembergern (Regensburger Treffer durch Kevin Slezak und Jakob Weber). Im November folgte dann eine 2:3-Heimniederlage (Tore durch Olle Liss im Powerplay und Constantin Ontl), ehe kurz vor dem Jahreswechsel mit einem nervenaufreibenden 5:4-Erfolg in der Fremde die Revanche glückte (zwei Mal Liss in Überzahl, Corey Trivino, Christoph Schmidt und Slezak im Powerplay). Insgesamt fielen in den drei Begegnungen also bereits 19 Treffer, im Schnitt über sechs pro Partie.
Mit zuletzt zwei beeindruckenden Siegen (erst mit 5:0 auswärts bei Spitzenteam Krefeld, dann mit 6:0 zuhause gegen Freiburg) sendeten die Puzzlestädter ein klares Zeichen. Besonders stark sind die Oberschwaben in Überzahl: Mit einer Erfolgsquote von über 27 Prozent führen sie in dieser Kategorie die DEL 2 an. Das bekamen auch die Schützlinge von Headcoach Peter Flache schon zu spüren – denn von den neun Ravensburger Toren in dieser Spielzeit gegen die Eisbären, die in Regulärer Spielzeit fielen, entstanden vier im RVT-Powerplay. Doch auch die Eisbären, die ihrerseits ebenfalls neun Mal gegen die Mannschaft von Towerstars-Trainer Bo Šubr einnetzten (darunter ebenfalls vier Mal in eigener numerischer Überlegenheit), belegen in dieser Statistik mit knapp 21 Prozent einen guten fünften Platz der Liga.
Bei den Puzzlestädtern befinden sich zwei Nordamerikaner in absoluter Topform: Die interne Scorerliste führt Robbie Czarnik (USA) mit 21 Treffern und 30 Assists für 51 Punkte an und liegt auch ligaweit damit auf Rang eins – ihm dicht auf den Fersen ist mit nur einer Torbeteiligung weniger (22 Tore und 28 Vorlagen) Kanadier Mathew Santos. Aber auch der Schwede Erik Jinesjö Karlsson (44 Zähler) und Fabian Dietz (37) sind stets gefährlich. Mit Nick Latta (24 in nur 30 Einsätzen) und dem zuletzt häufiger im Aufgebot stehenden jungen Förderlizenzstürmer Jan Nijenhuis (elf in nur 16) von DEL-Partner Ingolstadt steht noch mehr Qualität zur Verfügung. Seit der jüngsten Einbürgerung des langjährigen kanadischen DEL-Topstürmers Adam Payerl ergab sich für den stark besetzten RVT-Kader sogar noch weiterer Spielraum für potenzielle Neuzugänge auf den Kontingentpositionen. Der Routinier selbst fiel zuletzt aber verletzt aus.
Und auch die Defensivkräfte schalten sich häufiger ins Spiel nach vorne ein: Der ehemaligen Nationalspieler Simon Sezemsky (bisher an 29 Toren beteiligt) und Julian Eichinger (20) sind nicht zuletzt für ihre Offensivkraft bekannt. Im Tor ist Ilya Sharipov die unangefochtene Stammkraft: Er hütete in bisher 31 von 40 Towerstars-Partien den Kasten und kam dabei auf eine starke Fangquote von fast 91 Prozent. Zuletzt gab es für ihn gegen Krefeld und Freiburg zwei Shutouts in Folge.
Direkter Konkurrent wartet: Auswärts im Colonel-Knight-Stadion
Besondere Brisanz birgt dann mit Blick auf die Tabellenkonstellation die Sonntagsbegegnung der Eisbären auswärts beim EC Bad Nauheim in dessen altehrwürdigen Colonel-Knight-Stadion: Die Hessen belegen mit nur zwei Punkten weniger als die Regensburger den zwölften Platz. Der Sieger des direkten Duells verschafft sich also die bessere Ausgangslage für den Saisonendspurt. Mit einem starken Zwischensprint gelang den Wetterauern in den zurückliegenden Wochen ein kleiner Befreiungsschlag: War der ECN zu Beginn der Saison lange auf den hintersten Plätzen der DEL 2 zu finden, kämpfte sich die Mannschaft nach einem Trainerwechsel (Mike Pellegrims beerbte Adam Mitchell) sukzessive nach oben und ist nun mittendrin im Kampf um Pre-Play-off-Platz zehn. Von drei direkten Duellen gewannen die Eisbären bislang nur eines: Ende September gelang zuhause ein 3:2-Erfolg nach Penaltyschießen, bei dem Corey Trivino vier von vier Versuchen verwandelte und so den Zusatzpunkt für Regensburg sicherte (Tore Reguläre Spielzeit: Trivino und Liss). Anfang November folgte dann eine 4:5-Auswärtsniederlage (Treffer durch Korbinian Schütz, zwei Mal Trivino im Powerplay und Jakob Weber), ehe vor eigener Kulisse im letzten Heimspiel des Jahres 2024 beim 3:4 nach Overtime nach 0:3-Rückstand zumindest noch ein Punkt an die Donaustädter ging (David Morley und zwei Mal Olle Liss trafen für die Eisbären).
Anders als bei Freitagsgegner Ravensburg ist das Powerplay dabei aber kein Aushängeschild der Hessen – eher im Gegenteil. Sie nutzen nur 16,2 Prozent ihrer Überzahlgelegenheiten und sind damit das Schlusslicht in dieser Kategorie. Dafür sind sie stets bei eigener Unterzahl gefährlich: Sieben Shorthander sind die zweitmeisten der Liga (gleichauf mit Ravensburg). Mit dem deutsch-kanadischen Angreifer Zach Kaiser fehlt aber der beste Penaltykill-Torjäger der Kurstädter (zwei Tore) verletzt bis Saisonende. Ein Ausfall, der den ECN ob dessen insgesamt 18 Scorerpunkten schmerzt. Mit Parker Bowles (41 Scorerpunkte), Jordan Hickmott (34/beide Kanada), Kevin Orendorz (28), Tim Coffman (25 in nur ebenso vielen Einsätzen/USA), Taylor Vause (22 in nur 29 Einsätzen/Kanada), dem Ex-DEL-Crack Brent Aubin (23) und dem gebürtigen Regensburger Julian Lautenschlager (19) stehen aber dennoch zahlreiche weitere brandgefährliche Ausnahmekönner zur Verfügung.
Aber auch in der Abwehr bringt die Mannschaft aus der Wetterau reichlich Qualität aufs Eis. Unter anderem Bode Wilde, Ex-DEL- und Nationalspieler Christopher Fischer, Garret Pruden, Marius Erk und Patrick Seifert bilden den Defensivverbund gemeinsam mit einigen jungen Kräften. Jüngst stieß in Hagen Kaisler von Liga-Konkurrent Rosenheim ein weiterer Routinier zum Team. Im Tor ist Routinier Gerald „Jerry“ Kuhn gesetzt: Der 38-jährige US-Amerikaner mit deutschem Pass lief in bisher 34 der 41 ECN-Partien auf und parierte dabei über 91,4 Prozent der gegnerischen Abschlüsse.
Gleich mehrere Akteure der Eisbären waren unter der Woche krank und/oder angeschlagen. Wer letztlich in den beiden Begegnungen wird auflaufen können, entscheidet sich kurzfristig. Mit Eetu Laurikainen und Jonas Neffin sind zwei starke Torsteher nicht fit, worauf die Regensburger jüngst mit der Roy-Verpflichtung reagierten, der (sollte nichts dazwischen kommen) schon am Wochenende, spätestens aber Sonntag im Kader der Oberpfälzer stehen soll.