Hallo Niklas, die Nürnberg Ice Tigers stehen aktuell auf dem 11. Tabellenplatz in der PENNY DEL, doch die vor Euch platzierten Löwen Frankfurt, Grizzlys Wolfsburg und Straubing Tigers befinden sich in Schlagdistanz. Wie blickst Du den letzten zehn regulären Saisonspielen entgegen?
Es ist alles sehr eng. Ich glaube, dass wir eigentlich das Potenzial gehabt hätten, höher zu stehen. Aber das haben wir uns selbst zuzuschreiben, weil wir einfach nicht konstant genug waren und aus unseren Fehlern nicht gelernt haben. Aber jetzt kommen ganz wichtige Spiele. Ich denke, dass wir noch einmal einen Schritt nach vorne machen können.
Welche Fehler, aus denen Ihr nicht gelernt habt, wirfst Du Dir und der Mannschaft vor?
Wir haben teilweise überragende Spiele gemacht. Selbst gegen Top-Mannschaften haben wir wahnsinnig performt. Andere Spiele haben wir dagegen komplett weggeschenkt, weil wir zum Beispiel öfter mal im zweiten Drittel komplett geschlafen und immer wieder die gleichen Fehler im Umschaltspiel gemacht haben. Wir haben oft zum falschen Zeitpunkt Strafzeiten genommen. Das hat uns extrem viele Punkte gekostet.
Mit welchem Tabellenplatz wärst Du zum Abschluss der regulären Spielzeit zufrieden?
Am Ende wäre es natürlich positiv, einfach in den Playoffs zu stehen. Dann spielt es keine Rolle, ob man Neunter oder Zehnter geworden ist. Trotzdem wäre es schön, wenn wir mit Schwung die reguläre Saison beenden. Ich glaube, wir haben das Zeug dazu, dass wir noch viele Punkte holen, auf Platz 7 vorrücken und sogar in Schlagdistanz zu Platz 6 kommen. Das ist das große Ziel, aber dafür müssen wir wirklich konstant unsere beste Leistung abrufen.
Gibt es für Dich einen Top-Favoriten im Hinblick auf die Playoffs?
Ingolstadt ist schon sehr stark. Und ich glaube, dass man die Kölner Haie nicht vergessen darf. Die sind in den Playoffs sehr unangenehm zu bespielen.
Verfolgst Du aktuell noch das Geschehen in der NHL?
Ich verfolge ziemlich viel, aber hauptsächlich aus Neugierde an den Torhütern. Ich bin da ein totaler Nerd und gucke mir ganz viele Highlights an, teilweise von einzelnen Torhütern – also Clips, bei denen ich mir die Schüsse anschauen kann. Ich klicke auch gerne durch die Highlights der verschiedenen Spiele. Ich bin jedoch kein Fan von einer bestimmten Mannschaft, sondern mich interessieren wie gesagt vor allem die Torhüter.
Von welchen Torhütern in der NHL schaust Du Dir besonders gerne etwas ab?
Vor allem von Jake Oettinger von den Dallas Stars. Ansonsten sehe ich mir noch gerne Videos von Sergei Bobrovsky oder von Connor Hellebuyck an.
Was findest Du am Torwartspiel von Jake Oettinger beeindruckend?
Er ist technisch immer so ultra-sauber und hat ein perfektes Positionsspiel. Außerdem kann er immer zum perfekten Zeitpunkt einen spektakulären Safe hinlegen. Das ist sehr beeindruckend.
Du hast ebenso Erfahrungen in der NHL gesammelt. Nachdem Du in Deutschland unter anderem in der DEL für die Hamburg Freezers und den EHC Red Bull München aktiv gewesen bist, hast Du im Jahre 2015 einen Vertrag bei der Organisation der Arizona Coyotes unterschrieben. Wie ist es dazu gekommen?
Ich hatte in München eine sehr gute Saison gespielt – wahrscheinlich die beste meiner Karriere. Dadurch wurde ein Scout auf mich aufmerksam. Im Sommer verließ ein Torwart die Organisation der Coyotes. Daher kam das Angebot. Ich war natürlich total begeistert.
In der Saison 2015/16 kamst Du vorerst beim Farmteam Springfield Falcons in der AHL zum Einsatz. Wie groß war die Umstellung gegenüber der DEL?
Es gab schon einige Unterschiede. Alleine diese Roadtrips mit den Bussen. Man fuhr nicht mit Doppeldeckern wegen der Brücken. Daher saß man dort wie im Schulbus, teilweise noch sechs Stunden vor dem Spiel. Manchmal hatten wir auch Freitag, Samstag und Sonntag Auswärtsspiele. Das war ganz verrückt. Aber das hat mir überhaupt nichts ausgemacht. Das Spiel auf der kleinen Eisfläche mochte ich ebenfalls sehr gerne.
Was war dann die größte Umstellung?
Der Konkurrenzkampf war unglaublich. Jeder will in der NHL spielen. Als ich in der AHL auflief, zählte zum Beispiel Adin Hill zu meinen Konkurrenten, der später den Stanley Cup gewonnen hat, außerdem Marek Langhamer, der in der KHL sehr erfolgreich gewesen ist, und Louis Domingue, der etliche NHL-Spiele gemacht hat, oder Tyler Beskorowany, der in der DEL zum Torwart des Jahres gewählt worden ist. Der Konkurrenzkampf war von einem anderen Stern. Mir wurde auch erst im November zugesichert, dass ich es in die AHL-Mannschaft geschafft habe.
Du hast zwei Spiele in der NHL absolviert. Zunächst bist Du bei der 4:6-Niederlage gegen die St. Louis Blues in der Schlussphase zum Einsatz gekommen und hast keinen Gegentreffer zugelassen. Welche Erinnerungen hast Du an Dein NHL-Debüt für die Coyotes?
Wir lagen nach rund 10 Minuten mit 0:4 zurück. Dann wurde ich eingewechselt und habe das erste Drittel zu Ende gespielt. Wir schossen ein Tor, sodass es nur noch 1:4 stand. Es war zufällig das einzige Spiel in der Saison, bei dem mein Vater auf der Tribüne saß. Leider wurde ich wieder ausgewechselt, obwohl ich keinen Gegentreffer kassiert hatte. Das war für mich der bitterste Moment, weil ich spürte, dass ich vom Trainerteam keinen Rückhalt bekomme.
Aber Du hast noch einen zweiten Einsatz gemacht. Gegen die Anaheim Ducks durftest Du sogar das Spiel beginnen. Kam das für Dich überraschend?
Ja, das kam schon überraschend, weil ich ein paar Wochen lang gar nicht beachtet worden war. Wir befanden uns damals auf dem letzten Platz und trafen auf den Tabellenführer. Ich glaube, die Ducks hatten zehn Spiele in Folge gewonnen. Ich sag mal so: Ich glaube, mir wurde das bewusst nicht ganz einfach gemacht. Aber ich bin zugleich ein selbstkritischer Mensch und weiß: Wenn du die Chance bekommst, musst du sie nutzen. Das habe ich in dem Spiel leider nicht hinbekommen. Das war sehr schade. Ich hätte gerne mehr aus dem Moment gemacht.
Du musstest bei der 1:5-Niederlage fünf Gegentreffer hinnehmen und wurdest nach knapp 40 Minuten vom Eis genommen. Deutete sich danach an, dass das Kapitel NHL enden wird?
Ich war gewillt, mich durchzubeißen. Ich habe deshalb im Sommer lange abgewartet, ob sich vielleicht noch eine Möglichkeit ergibt. Mein Wunsch war, mich über die AHL noch einmal hochzuarbeiten. Ich hatte zur neuen Saison zunächst keinen Verein und hielt mich in Salzburg fit. Leider hat sich keine Chance mehr ergeben. Aber ich habe mir nichts vorzuwerfen.
Einerseits verliefen die NHL-Partien vielleicht nicht wie gewünscht. Andererseits kannst Du immer behaupten, einmal in der NHL gespielt zu haben. Welche Bedeutung hat dieses Kapitel rückblickend für Dich?
Ich blicke mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Einerseits war das eine unfassbar tolle Erfahrung. Ich bin auch irgendwie stolz, mich durchgebissen zu haben. Aber wenn man einmal auf höchstem Niveau gegen die Besten der Welt gespielt hat, möchte man von dort nicht mehr weg. Daher das weinende Auge, weil man sich hinterher sagt: Das wäre es gewesen. Ich hätte mir den Traum gerne richtig erfüllt. Aber im Endeffekt war es trotzdem eine tolle Erfahrung.